Preisgestaltung

Hier möchte ich gerne Natascha Tatjana Laturnus von Lifestyle-Shootings stellenweise zitieren. Sie spricht wohl einigen Fotografen aus der Seele.

Wie kommen meine Preise zustande?

Vielleicht ein Thema über das mal nachgedacht werden sollte. Preisfindung gestaltet sich sehr schwierig, auf der einen Seite möchte man natürlich nicht zu teuer sein, auf der anderen Seite möchte man sich aber auch nicht unter Wert verkaufen und hat jede Menge Arbeit damit. Wer arbeitet schon freiwillig umsonst? Die Brötchen beim Bäcker müssen auch bezahlt werden und man bekommt sie nicht geschenkt.

Auf den ersten Blick mögen 125-175 Euro für ein Fotoshooting vielleicht viel sein, doch es steckt sehr viel mehr dahinter, wie nur ein Knöpfchen drücken und Bilder knipsen.

Heutzutage hat jeder eine Kamera oder ein Handy welches Bilder macht, jedoch kann deswegen nicht jeder gute Bilder machen. Hat man eine gute Kamera, heißt es nicht automatisch dass man tolle Fotos macht. Die Kamera ist nur so gut wie der Fotograf der sie bedient. Die Technik und Funktionen der Kamera muss man verstehen, um Bilder so hinzubekommen wie man sie möchte. Deswegen sieht man Qualitätsunterschiede sehr schnell. Die meisten Bildfehler sind Unschärfe und Fokusfehler. Abgesehen von der technischen Qualität gehört auch die Bilkomposition und der Aufbau zu einem gelungenen Foto.

Zu einem guten Fotoshooting gehört auch immer ein Vorgespräch, um genaue Vorstellungen des Kunden in Erfahrung zu bringen und zur Ideenfindung. So ein Vorgespräch findet meist am Telefon oder über mehrere eMails statt. Genaue Details wie Location, Studio oder Outdoor, Styling, Requisiten, Acessoires, usw. werden abgeklärt. Das Fotoshooting selbst dauert 1-3 Stunden. Ich lasse mir Zeit und mag es nicht gehetzt zu werden, oder aus Zeitmangel zu wenig Fotos gemacht zu haben.

Das eigentliche Fotoshooting ist die Arbeit die man sieht, aber das ganze drumherum wird verdrängt oder ignoriert. Zurück vom Fotoshooting fängt die Arbeit erst richtig an. Bilder müssen upgeloaded, archiviert und gesichtet werden. Nach der Sichtung wird für den Kunden eine passwortgeschützte Online-Galerie angelegt, in der seine Bilder hochgeladen werden. Mit einen Kundenpasswort können die Bilder dann vom Kunden bequem von Zuhause aus gesichtet werden und eine persönliche Bildauswahl getroffen werden, die dann von mir bearbeitet wird. Wenn alles fertig ist wird die DVD gebrannt, liebevoll verpackt und direkt an den Kunden geschickt.

Zur Preiskalkulation gehört nicht nur der eigentliche Zeitaufwand des Fotoshootings, sondern auch das Vorgespräch und die Bearbeitungszeit nach dem Fotoshooting um den Auftrag zu bearbeiten.
Abgesehen davon müssen noch ganz viele andere Faktoren beachtet werden bei einer Preiskalkulation, denn als selbstständiger Fotograf, egal ob Nebenberuflich oder Vollzeit, gibt es ständig Ausgaben die monatlich und jährlich anfallen, die gedeckt werden müssen.
Dazu gehören Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Handwerkskammer, Homepage Domain, Kunden Online Galerie, Buchhaltungsprogramm, Steuerberater, Software für Bildverwaltung und Bildbearbeitung (Adobe Lightroom und Photoshop), Werbungskosten, Weiterbildung durch Seminare und Workshops, teure Kameraausrüstung, Abnutzung der Kameraausrüstung, Materialkosten (DVDs, DVD Hüllen, Briefmarken, Briefumschläge, Druckerpapier, Tintenpatronen, usw.), Materialkosten fürs Fotoshooting (Requisiten, Acessoires, Blumen, Stoffe, Dekoartikel, Batterien usw.), Fahrtkosten bei Outdoorshootings, Nutzungsrechte und vieles vieles mehr.

Vielleicht wird nun einigen klar, warum wir Fotografen nicht begeistert sind, wenn wir gefragt werden ob wir mal kurz nur ein paar Bilder gratis schießen könnten ohne großen Aufwand. Preiskalkulationen sind wichtig und wenn man bedenkt was alles dahinter steckt, dann sind die Preise nicht mehr so teuer wie anfangs gedacht. Rechnet man mal nach und alles ungefähr aus, dann werdet ihr sehen, das der Stundenlohn nicht berauschend ist und man davon garantiert nicht reich werden kann, sondern auch dieser Job harte und zeitaufwendige Arbeit ist.

Erwähnenswert ist auch, dass das verdiente Geld natürlich genommen wird um all diese Kosten zu decken und mit dem Gewinn der übrig bleibt, wird sofort wieder investiert. Hab ich genug Aufträge um meine Kosten zu decken, dann wird der Rest in Kameraausrüstung und Workshops gesteckt was wiederum meinen Kunden zu Gute kommt. Professionelle Kameraausrüstung ist bekanntlich sehr sehr teuer und es muss gut überlegt sein wo man investiert. Natürlich möchte ich mich auch ständig weiterbilden mit diversen Workshops und Seminaren, denn ausgelernt hat man nie und nur wer am Ball bleibt verbessert sich ständig und kann seinen Kunden etwas bieten.

Ich hoffe ich konnte hiermit mal ein bischen Licht ins Dunkle bringen und einigen die Augen öffnen. Das Wichtigste ist jedoch unbezahlbar, Liebe und Leidenschaft bei der Arbeit und Fotografie!!!